Amu Nowruz und Nane Sarma: Das Warten auf den Frühling

Erfahren Sie die berührende Geschichte von Nane Sarma und Amu Nowruz. Ein persisches Märchen über das Warten auf den Frühling, die Hoffnung und ein besonderes Wiedersehen im nächsten Jahr.

Amu Nowruz und Nane Sarma: Das Warten auf den Frühling

Quelle der Geschichte: Persische Volksmärchen
Lehre der Geschichte: Auch wenn man sich verpasst, bringt die Hoffnung auf ein Wiedersehen Licht in die Zeit des Wartens.

Es war einmal, auf dem allerhöchsten Gipfel der Welt, in einem Schloss aus ewigem Eis und glitzerndem Schnee. Dort lebte 'Nane Sarma', die einsame Frost-Großmutter. Ihr Haar war so weiß wie der frisch gefallene Schnee und ihre Kleider waren eiskalt – sie war es, die den Winter über die ganze Welt brachte.

Doch ach, mein Kind, diese einsame Frau hatte einen Gefährten, den sie nur ein einziges Mal im Jahr treffen konnte: 'Amu Nowruz', den gütigen Großvater, der den warmen Frühling mit sich bringt.

In der Nacht vor dem neuen Jahr war Nane Sarma so aufgeregt! Sie putzte ihr altes Häuschen, bis es glänzte und funkelte. Sie legte einen prachtvollen persischen Teppich aus und deckte den Tisch mit Früchten, Nüssen und süßem Gebäck. Sie zog sogar ihr schönstes geblümtes Kleid an, um Amu Nowruz gebührend zu empfangen.

Aber dann, als die sanfte, schläfrige Frühlingsbrise herannahte, passierte es: Nane Sarma, die ein ganzes Jahr lang gewartet hatte, konnte die Müdigkeit nicht besiegen. Sie sank auf ihrem Polster in einen tiefen, friedlichen Schlummer.

Kurz darauf traf Amu Nowruz ein, mit seinem wehenden silbernen Haar und seinem blauen Umhang. Er sah die schlafende Nane Sarma und ihr Gesicht wirkte so ruhig, dass er es nicht übers Herz brachte, sie zu wecken. Er kostete ein wenig von den Früchten, die sie so liebevoll bereitgestellt hatte, und steckte ihr leise eine wunderschöne Ringelblume ins Haar. Dann musste er schon weiterziehen, um den Menschen auf der ganzen Welt zu verkünden, dass der Frühling da ist.

Als Nane Sarma schließlich von den warmen Sonnenstrahlen gekitzelt wurde und erwachte, sah sie die Blume und die angebissenen Früchte. Da wusste sie, dass er da gewesen war! Sie seufzte ein wenig, aber sie weinte nicht. „Nächstes Jahr“, sagte sie sich lächelnd, „nächstes Jahr werden wir uns ganz bestimmt treffen.“ Und so begann sie wieder voller Freude auf den nächsten Frühling zu warten.